Samstag, 10.2.

10. Februar 2007

Nach einer sehr geruhsamen Nacht im besten Bett bisher sind wir um halb neun aufgestanden und waren kurz nach neun beim Frühstück wo es eine Tasse Kaffee und zwei süsse kleine Croissants gab – nicht sehr ergiebig. Nach der weiteren Reiseplanung und Wäsche von Klamotten haben wir versucht, über die Tourist-Info etwas in El Calafate buchen zu lassen. Zumindest hat uns die Dame eine Telefonnummer rausgesucht. Nachdem wir diese und andere Nummern aus unserem Reiseführer erfolglos abtelefoniertet hatten, haben wir bei der letzten Telefonnummer doch noch Glück gehabt. Danach konnten wir unser zweites (richtiges) Frühstück, welches wir im Supermarkt erstanden haben und aus einem Sandwich bestand, im Park von Rio Gallegos geniessen. Im Anschluss haben wir uns gleich noch eine Busverbindung nach El Calafate besorgt.

Da wir sonst nichts auf dem Plan hatten, haben wir uns die Uferpromenade angesehen. Weil die Sonne so schön schien, haben wir uns eine halbe Stunde an den Kies-Sand-Strand gelegt. Der Wind wehte angenehm über uns hinweg, so dass wir die intensive Sonneneinstrahlung nicht gemerkt haben. Am Stadt-Spielplatz in der Nähe war eine Warn-Ampel installiert, die über die momentane UV-Einstrahlung informierte: sie stand auf gelb. Wieder im Hotel angekommen sahen wir auch prompt den Sonnenbrand in unseren beiden Gesichtern.

Zum Mittag haben wir uns eine Nudelsuppe gemacht. Den Nachmittag verbrachten wir wegen der Sonne überwiegend in geschlossenen Räumen, entweder im Internetcafe oder auf dem Zimmer. Gegen 21 Uhr waren wir essen, da wir noch die Pizza Alemana mit Sauerkraut, Würstchen, Mozzarella und Ketchup ausprobieren wollten. Sie schmeckte erstaunlicherweise sehr gut. Die Flasche Rotwein, die wir noch zuvor gekauft hatten, genossen wir auf dem Zimmer, ehe um Mitternacht das Licht gelöscht wurde. In der Nacht um 3 ließ der Nachbar vor unserem Zimmerfenster noch freundlicherweise noch eine halbe Stunde seinen Kompressor laufen – Druckluft braucht man immer, auch nachts um 3.


Evita

Freitag, 9.2.

9. Februar 2007

7 Uhr Aufstehen, duschen (welch moderne und saubere Duschen im Gegensatz zu Ushuaia), packen, 8 Uhr Frühstück. 8:25 Uhr Abschied zusammen mit den Schweizern Müri („aus Züri“) und Marko und einem Japaner von der Herbergsmutter – natürlich wieder mit einem Küsschen! Sie fotografierte uns noch für ihr Fotoalbum.Der Bus fuhr recht pünktlich um 10 nach 9 ab. Auf der Fahrt im Bus haben wir gleich unsere Snacks, zwei Sandwiches, zwei kleine Croissants und ein süßer Kaffee. Unterwegs sahen wir noch einige Guanackos , die z.T. durch den Bus aufgeschreckt über die Zäune sprangen. Das spannendste an diesem Tag eindeutig die Grenzüberschreitung. Wir durften 4 Kontrollen über uns ergehen lassen: Ausreise aus Argentinien, Einreise in Chile, Ausreise aus Chile und Einreise in Argentinien. Jeder Aufenthalt dauerte länger, der erste ging mit 20 Minuten noch recht schnell rum, der die Ausreise aus Chile dauerte fast eine Stunde. Wir kamen uns teilweise vor wie an der Grenze zur DDR.
Die Überfahrt über die Magellanstraße mussten wir fast im Bus verbringen. Als bereits die Hälfte der Überfahrt, welche insgesamt 30 Minuten dauerte, wurden doch noch die Türen für 10 Minuten geöffnet.
In Patagonien angekommen, entdeckte ore auch gleich die ersten Nandus.
In Rio Gallegos organisierte schnittlauch ein Doppelzimmer in einem Hotel (Bonifacio), da alle Herbergen ausgebucht waren. Müri, Marko und der Japaner wollten gleich weiter nach El Calafate, also verabschiedeten wir uns als wir uns auf den Weg ins Hotel machten. Nachdem wir uns dort eingerichtet und uninteressante Nachrichten und DW-TV angesehen hatten, erkundeten wir die Innenstadt von Rio Gallegos. Wir waren beide der gleichen Meinung, dass dieses eine hässliche Stadt sei und es uns in Rio Grande besser gefallen hat.
Gegessen haben wir in einem Imbissrestaurant. Ore bestellte einen Hamburguesa Completta (wie in Ushuaia), wurde jedoch enttäuscht, was die Größe anging. Dafür bekam er noch etwas von schnittlauchs Pizza ab. Beide hatten ausserdem gedacht, ein argentinisches Bier bestellt zu haben. Als wir die Flaschen in den Händen hielten mussten wir jedoch feststellen, dass es sich um original belgisches Bier handelt. Und wir wunderten uns schon, warum die Bedienung uns fragte, ob wir dieses Bier wirklich haben wollen.
Dafür kauften wir uns im Supermarkt noch eine Literflasche „Schneider“-Bier – echt argentinisch! Diese leerten wir im Hotelzimmer wo wir nebenbei den Film „Der Exorzismus der Emily Rose“ gesehen haben. Um halb zwölf ging das Licht aus.


Die gemütliche Ecke im Hostel Argentino

Rio Grande

8. Februar 2007

Heute sind wir in Rio Grande angekommen. Nachdem wir gestern uns den Nationalpark Tierra del Fuego angesehen haben und begeistert von der wechselhaften Landschaft waren, fing das Wetter an zumindest ore auf die Stimmung zu druecken. Das Wetter in Ushuaia war die ganze Zeit regnerisch, stuermisch und grau in grau. Unter anderen Umstaenden wuerden wir diesen Ort wohl eher vermissen.

Als wir mit dem Bus ueber einen Bergpass gefahren sind, war auf der anderen Seite der Berge nicht nur besseres Wetter sondern auch (mal wieder) eine total andere Landschaft. Endlos anmutende Weiten lassen erahnen, welche Dimensionen uns in Patagonien erwarten, einfach grandios! Die ersten Alpackas konnten wir unterwegs ebenfalls beobachten.

Nachdem sich schnittlauchs Wanderschuhe aufzuloesen drohten, mussten wir hier eine kleine “Shoppingtour” hinlegen, damit wir in den naechsten Tagen weiterwandern koennen. Danach goennten wir uns ein Eis und schleckten dieses genuesslich in der uns erwaermenden Sonne.

Unsere Herberge duerfte wohl eine der aeltesten am Ort sein, sie besteht seit 1923 und hat den wohlklingenden Namen “Hostel Argentino”. Das heisst jedoch nicht, dass sie heruntergekommen ist, im Gegenteil, der Einrichtungsstil sagt uns mehr zu, als in der letzten Herberge, alles sauber, alles fein! Von der Herbergsmutter wurde uns zur Begruessung gleich ein Kuesschen aufgedrueckt (mehr oder weniger freiwillig, bei schnittlauch mehr, bei ore weniger…). Kontakt zu einem schweizer Paerchen, welches ein Jahr durch Sued-Amerika tingeln will, haben wir ebenfalls schon hergestellt.

Nachdem wir gestern in einem Restaurant lecker Essen waren, ore goennte sich das All-You-Can-Eat-Menue und schlug natuerlich ordentlich beim Fleisch zu, kochen wir heute selbst.

Ortszeit 19:30 Uhr

Donnerstag, 8.2.

8. Februar 2007

Um 8 Uhr sind wir aufgestanden, um noch genügend Zeit bis zur Abreise zu haben. Um Viertel nach konnten wir noch zusehen, wie das Frühstück aufgebaut wurde. Um Halb 10 gingen wir los, da wir noch Geld holen und ein Paket mit Souvenirs und nicht mehr benötigten Sachen verschicken wollten Nachdem wir bei DHL erfahren haben, dass diese sich nur um Briefe kümmern, haben wir bei der Post vergebens in einer vollen Schalterhalle, in der niemand richtig zu arbeiten schien, gewartet. Also mussten wir abbrechen, da wir noch Geld abheben wollten. Dies funktionierte auch nicht so recht, weswegen wir gleich zur Busstation gingen.Der letzten tage entsprechend hat es natürlich wieder geregnet. Demnach werden wir Ushuaia nicht in der besten Erinnerung behalten, es war letztlich nicht mehr als ein kalter uns nasser Touristenort.
Die Fahrt ging über einen Bergpass, hinter dem das Wetter ganz plötzlich besser wurde. Es war sogar Sonne zu sehen, welche uns einen grandiosen Blick über das Land bescherte. Wir konnten erahnen, welche unbeschreiblichen Weiten uns in Patagonien erwarten. Das, was Feuerland auf diesen Kilometern bot, war beeindruckend.
Zwischendrin kam der Ort Tolhuin, in dem unser Bus eine kleine Rast machte. In einer Gaststätte herrschte reges Treiben, neben der Busstation schien dies auch der allgemeine Treffpunkt des Ortes zu sein. Ein kleiner Zoo war ebenfalls zu bewundern, ein Biber, ein Leguan und diverse Vögel waren dort untergebracht. Nach einer halben Stunde ging es weiter. Unterwegs konnten wir sogar die ersten Guanakos sehen, der Atlantik war ebenfalls bald in Sicht.In Rio Grande wurden wir an der Tourist-Info abgesetzt, wo schnittlauch uns gleich ein Quartier besorgte. Die Herbergsmutter begrüßte uns auch gleich mit einem Küsschen. Seit 1923 gibt es diese Herberge bereits.
Als nächstes, nachdem wir unsere Betten in Beschlag genommen hatten, buchten wir die Weiterreise nach Rio Gallegos. Hierbei bekamen wir jede Menge Papierkram für die Durchreise durch Chile in die Hand gedrückt.. Danach konnten wir Glücklicherweise erfolgreich Geld abheben.Da schnittlauchs Stiefel erhebliche Auflösungserscheinungen zeigten, legte er sich zwangsweise ein neues Paar Wanderpumps zu. Daraufhin gönnten wir uns ein Eis und setzten uns genüssliche schleckend an der Plaza Commercial in die Sonne. Nach einem kleinen Einkauf kehrten wir wieder in unsere Herberge auf einen Tee ein und zerbrachen unsere Köpfe über die chilenische Einreisepapiere. Hier merkt man wie gut wir es in Europa – auch ohne Schengen-Abkommen haben.Bevor wir essen wollten, wollten wir noch in unser Internet-Tagebuch einen Bericht schreiben. Schnittlauch brachte den Rechner zwar zum Absturz, wir konnten dennoch unsere Nachrichten in die Heimat absetzen.Zurück in der Herberge wollten wir auch gleich die Übernachtung bezahlen, welches die Herbergsmutter sehr bedauerte (dafür berechnete sie uns 3 Betten). Beim Essen genossen wir unseren Rotwein, bis die Herbergsmutter mit selbstgemachten Melonenschnaps ankam. Uns schenkte sie zwei Mal ein, im Gegensatz zu den anderen. Da sie jedoch zur Zeit Antibiotika nahm, konnte sie nicht mittrinken. Wir hatten die schlimme Befürchtung, dass sie uns willig machen wollte.
Den Rest des Abends unterhielten wir uns mit einem Schweizer Pärchen über Kulturen, Menschen und den Wandervogel. Um halb 12 ging es ins Bett.

http://www.hostelargentino.com.ar/


Quer durch Feuerland, die ersten Sonnenstrahlen blitzen durch die schweren Wolken

Mittwoch, 7.2.

7. Februar 2007

Ein weiterer Tag in Ushuaia. Um halb neun sind wir aufgestanden, da der eine nicht mehr schlafen konnte und der andere eh eine schlaflose Nacht hinter sich hatte. Zum Glück hatten wir am Vortag Brötchen gekauft, damit das Frühstück nicht ganz so mager ausfallen musste. Da wir insgesamt recht früh dran waren, wollten wir den Bus in den Nationalpark nehmen, der eine halbe Stunde eher fahren sollte. Also machten wir uns zum Busterminal in den Hafen auf, wo wir gleich zahlen duften, dafür aber erst wesentlich später unsere Tickets bekommen haben. Außerdem haben wir noch eine dreiviertel Stunde auf die Abfahrt warten dürfen, was unseren zeitlichen Vorsprung wieder zunichte machte.

Nach einer guten Stunde Fahrt waren wir am Ausgangspunkt unseres Trails, dem Lake Roche, angekommen. Dies war ein Campingplatz an einem netten See gelegen, inmitten recht hoher Berge. Unmittelbar aufgebrochen, liefen uns auch gleich Hasen zwischen unseren Füssen herum, Skuas und Gänse konnten wir aus nächster Nähe betrachten. Die Landschaft änderte sich annähernd alle 300 Meter, erst ein gespenstisch mit Moos bewachsener Wald, dann ein vom Moor verschlungener Wald, ein See mit malerisch schönen Buchten (ähnlich der Nordland-Fjorde), Wälder aus Rhododendren, sehr dicht bewachsener Wald, freie Flächen, …

Es war alles dabei, uns kam es teilweise so vor, als wenn gleich ein Nazgûl auf der Suche nach Frodo an uns vorbei reiten oder uns ein Ent aufsammeln würde.

Auf der Wegstrecke kamen uns fast alle entgegen, die mit uns im Bus saßen und eher ausgestiegen sind.

Der Weg an sich nahm kein Ende und war sehr schlammig. Außerdem waren überall Pferdehaufen verteilt. Dem Ende entgegensehnend kam noch eine Bucht, noch ein Berg, noch eine Bucht, noch ein Berg, noch eine Bucht, ….

Nachdem wir irgendwann am Ende des Trails angelangt waren, durften wir noch 2 km „Straße“ laufen – durch Regen natürlich. Diese Straße war genau so gut ausgebaut, wie die Autobahn „Nationale 3“ die bis zum Ausgangspunkt unserer Wanderung führte: letztlich nicht mehr als eine Schotterpiste.

Endlich an der entsprechenden Kreuzung mit Busstation angekommen wurden wir auch gleich von einem Fahrer mitgenommen. Dieser musste zwar erst wieder zum Ausgangspunkt unseres Trails doch das war uns egal, da wir im Trockenen saßen. Dort angekommen sammelte sich der Bus mit fast den gleichen Personen wie morgens. Drei spanische Mädels wollten ebenfalls mitgenommen werden, haben auch brav bezahlt als der Bus losfuhr. Als eine der drei jedoch auf ein Ticket beharrte mussten sie aussteigen (und die 20 km nach Ushuaia laufen?). An der Ausfahrt des Parkes wurden Fahrer und Kompagnon von den Rangern zur Rede gestellt. Trotz der äußerst geringen Spanisch-Kenntnisse konnten wir uns einen Reim draus machen, dass das, was die beiden Kerle erzählten nicht ganz der Wahrheit entsprach.

Wieder in Ushuaia angekommen goss es mittlerweile sehr stark, weswegen wir in die Herberge gingen und uns erst einmal trocken legten. Frisch geduscht ging es somit wieder in den regen. Da wir essen gehen wollten. Im Restaurant unserer Wahl, dort wo Lämmer aufgeklappt über offenem Feuer gebraten wurden, bestellten wir unseren ersten argentinischen Wein, der uns zum Essen sehr gut schmeckte. Schnittlauch hatte ein Ravioli-Gratin und ore nahm das „all-you-can-eat-Angebot“ und schloss dadurch Freundschaft mit dem Koch der für das Fleisch zuständig war. Nach dem ersten Gang waren sie bereits „Amigos / Friends“, es gab Lammbraten – nicht zu wenig – beim zweiten Mal war es Lamm vom offenen Feuer. Nachdem ore den verlangten „Tip“ vorbei brachte, lächelten alle froh, alle Daumen gingen hoch und alle waren glücklich.

Dank der Flasche Wein war es auch schon fast egal, dass es auf dem Rückweg in die Herberge immer noch regnete. Dieses Wetter nervt ungemein!!

23 Uhr ins Bett, da früh aufstehen angesagt war.


Am Rio Lapataia